Fossile Energiewirtschaft vor dem Scheitelpunkt

„Wer heute noch eine neue Ölheizung einbaut, kann sein Geld auch gleich zum Fenster hinauswerfen. In zehn Jahren wird es höchstwahrscheinlich kein für Otto Normalverbraucher finanzierbares Heizöl mehr geben“. Das sagte Thomas Seltmann, Projektmanager der „Energy Watch Group“ (und Mitte der 1990er Jahre Zivi bei uns) bei einer Informationsveranstaltung von Bund Naturschutz und Agenda 21 (Arbeitskreis Umwelt) von Stadt und Landkreis Ansbach. Bei der Energy Watch Group handelt es sich um einen unabhängigen, von der Ludwig Bölkow Stiftung getragenen Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Parlamentariern. Seltmann zeigte anhand vieler Fakten auf, dass die fossile Energiewirtschaft, auf der unser Wachstumswohlstand derzeit fast ausschließlich beruhe, sich ihrem Ende nähere. Erdöl werde schon seit Mitte der 1980er Jahre mehr verbraucht als neu gefunden . Die Frage, so Seltmann, sei nicht, wie lange reicht es noch, sondern: „Wie viel Öl ist wnn verfügbar?“. Dass es schon in naher Zukunft nicht genügend sein wird, ergebe sich allein schon durch die weltweiteBevölkerungsentwicklung und eine deshalb weltweit angestrebte Verdoppelung der Wirtschaftsleistung. Öl werde dann im Wesentlichen nur noch für die chemische Industrie, die Landwirtschaft und den Flugverkehr zur Verfügung stehen. Ernstzunehmende Wirtschaftsfachleute erwarten eine Ölpreisexplosion, sobald die Konjunktur wieder anzieht.

Kritik übte er an einem Beschluss der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu einer „Sicherheitsstrategie für Deutschland“, in der auch militärische Maßnahmen für den Zugang zu Rohstoffen legitimiert werden sollen.

Absolut ungeeignet zur Lösung des Energieproblems sei die Atomenergie. Diese trage schon jetzt weltweit nur 2,2 % zur Energieerzeugung bei und sei eine Nischentechnologie für Luxusverbraucher. Unabhängig von ihren Gefahren, ungelöster Entsorgung und gigantischer Subventionen werde sich ihre Rolle schon mangels des Rohstoffes Uran erledigen. „Die Renaissance der Atomkraft ist ein unrealistischer Wunschtraum, angesichts der Fakten“, so Seltmann wörtlich. Schon jetzt lande das Uran rückgebauter russischer Atomsprengköpfe wegen der Uranknappheit in US-Atomkraftwerken.

Schonungslos zeigte Seltmann auf, dass es auch um die anderen fossilen Energieträger nicht besser bestellt sei. Bei der Kohle sei weltweit schon ein Drittel der verfügbaren Menge verbraucht. Beim Erdgas sei es keinesfalls besser: Russland habe schon jetzt zu wenig verfügbares Gas, neue Kraftwerke stünden dort still. Russland importiert bereits jetzt Gas aus Nachbarländern zum Weiterverkauf nach Westeuropa. Alle fossilen Energien zusammen werden schon in wenigen Jahren ihren Förderhöhepunkt überschreiten und danach immer knapper.

Es gebe gar keine Alternative dazu, viel schneller als bisher zu 100 % zu klimaschonenden und unendlich verfügbaren erneuerbaren Energien zu kommen. Im Strombereich sei der Umstieg am schnellsten und innerhalb der nächsten zwanzig Jahre zu schaffen. Am deutlichsten zeige hier bisher die Windkraft, was auch in kurzer Zeit möglich sei. Solarkraftwerke in der Wüste seien technisch sicher möglich, aber teurer als die Lösungen vor Ort: Die deutschen Energieprobleme sollten nicht in Afrika, sondern in Deutschland gelöst werden. Ein wichtiger Impuls sei auch, dass Investionen in „Erneuerbare“ gleichzeitig zu starken Energieeinsparmaßnahmen führten.

Helmut Altreuther

 

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